Selbst oder selber

Selbst, Selber … oder was?

 

Verwendung von selbst als Pronomen

Steht es als Pronomen nach dem Bezugswort oder betont es nachdrücklich, dass nur die im Bezugswort genannte Person oder Sache gemeint ist und niemand oder nichts anderes in Betracht kommt, schreibst du „selbst“ statt „selber“.

Beispiele:

  • Er kann sich wieder selbst versorgen.
  • Sie hatte es selbst gesehen.
  • Der Chef bedient im Restaurant selbst.

„Selbst“ steht manchmal vor dem Substantiv oder der Phrase, auf die es sich bezieht. In diesem Fall hat es die emphatische Bedeutung “sogar, auch”, als Adverb:

Beispiel:

  • Selbst wenn er wollte, könnte er das nicht tun.

 

Verwendung von selbst als Partikel

Es wird verwendet, um auszudrücken, dass etwas überraschend oder nicht typisch ist:
“Das ist selbst dem Experten ein Rätsel.”

Es wird im Rahmen eines Synonyms verwendet:

  • etwas funktioniert wie von selbst (problemlos funktionieren)
  • selbst gebrautes/selbstgebrautes Bier (eigens)
  • selbsterklärend (eindeutig)

 

Umgangssprache vs. Hochdeutsch

„Selbst“ und „selber“ sind fast immer austauschbar. Aber „selber“ gilt als informell, während selbst als üblich gilt. Du könntest selber verwenden, wenn es sich nicht um eine formale Situation handelt: Sie tritt in Gesprächen, Briefen und gelegentlichen Kommunikationen aller Art auf. „Selbst“ arbeitet im formalen Schreiben, da es das Standardregister in Wort und Schrift darstellt.

 

Wortzahl

Es gibt eine besondere Anwendung für selber in der Umgangssprache. Hier wird selber am häufigsten verwendet, da „selbst“ längere Sätze erfordert.

Beispiel:

Wirst du mit

“Du bist ja dumm!”

konfrontiert, kannst du mit einem schnellen und einfachen “Selber!” oder “Selber dumm!” antworten. Die Wortwahl „selbst“ würde in diesem Fall den Satz verlängern und ihm einen formelleren Stil verleihen:

“Du bist ja selbst dumm!”

Das mindert die Stärke der Vergeltung.

(Zugegeben, das Beispiel ist nicht optimal. Allerdings bildet es einen wichtigen Aspekt der Wortverwendung ab.)

Merke:

„Selber kann hier alleine stehen, selbst nicht.“

Wichtig für Marketing-Experten, Texter und Ghostwriter: Selbst und selber sind (theoretisch) – Achtung: Wortwitz – selbsterklärend. Ich empfinde „selber“ weniger als informell, denn mehr als standardsprachlich merkwürdig. Ich mag es einfach nicht. Eventuell stört mich der Klang des Wortes. Keine Ahnung. Nichtsdestotrotz: Wer „selber“ schreibt, obwohl „selbst“ möglich ist, muss sich darüber im Klaren sein, welche Zielgruppe er anzusprechen gedenkt. „Selber“ für Zielgruppen mit einfacherem Sprachcode; „selbst“ für jene, die ein höheres Sprachniveau pflegen.

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