Leserfrage: “Was bedeutet eigentlich dieses alleinstehende ‘Hallo’ in einer Kurznachricht?”

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Letztens diskutierte die Bloggerin Lida, weshalb junge Männer sie auf Instagram anschreiben und in der Nachricht nicht mehr als „Hallo“ steht. Kein Ausrufezeichen, kein Smily, keine nähere Erläuterung. Sie stellt mit Verlinkung auf mich (dr.ralf_social) die Frage nach dem: „Was soll dieses alleingelassene ‘Hallo’ bedeuten?“ Gute Frage, Lida! Wir klären das mal eben für deinen spezifischen Kontext. (Wer sofort wissen will, was ich für wahrscheinlich halte, scrolle bitte zum letzten Absatz.)

 

Sprachgeschichtlich (uninteressant)

Historisch betrachtet finden wir in jeder Sprache eine nicht-förmliche Begrüßung wie das deutsche „Hallo“. Es fungiert nahezu überall als Gruß zwischen Bekannten oder zumindest „nicht-fremden“. Die tatsächliche Herkunft wird diskutiert. Ob es dem althochdeutschen halon folgt oder/und dem mittelhochdeutschen halen, weiß ich nicht. (Wir ignorieren hierbei die Tatsache, dass ich Mediävist bin.) Spielt auch keine Rolle. Wichtig ist: „Hallo“ war schon immer da und ist auch überall vorhanden.

 

Gesellschaftlicher Kontext (nicht ganz uninteressant)

„Hallo“ dient alleinstehend der Begrüßung und wird seitens einer Person in Richtung einer anderen gewidmet. Entgegen eines „Guten Tag“ (Kurzform von „Ich wünsche Ihnen einen guten Tag!“) muss „Hallo“ lautmalerisch interpretiert werden. Kurz und nahezu intonationsbefreit ist es wohl eher eine begrüßungsähnliche Feststellung, dass der eine den anderen bemerkt hat. Dem entgegen steht ein mit einem Lächeln überbrachtes „Hallo“. Das schelmisch grinsend vermittelte „Halloo!!“, bei dem das „a“ tiefer gesprochen wird als das langezogene „o“, kann einem Flirtversuch gleichkommen. – Und bereits jetzt bemerkt man zwei Dinge:

  1. Durch die textliche Darstellung ist es kaum möglich, die durch Intonation vermittelte Information des „Hallo“ zu verdeutlichen.
  2. Es gibt wahrscheinlich zu viele Kontextvarianten, in denen „Hallo“ vorkommen kann. Daher widmen wir uns jenen, die Lida interessieren.

 

„Hallo“ als Versuch, jemanden anzuflirten

Die zu Beginn geschilderte Situation ist einfach: Lida ist jung, clever und attraktiv. Außerdem medial gut vernetzt und, ganz wichtig, erreichbar. Man(n) kann sie anschreiben. Schonmal wichtig, um Kontakt aufzunehmen.

Jetzt das Problem: Schreibt eine männliche Person, wir nennen sie mal „Nico“, schlicht „Hallo“, verliert die Grußformel an Inhalt. „Hallo“ unterliegt im schriftlichen Sprachgebrauch der gleichen Situation, wie andere sprachliche Mittel: Die Mimik des Senders, die Intonation, all das wird nicht übermittelt. Es bleibt nur die eigentliche Bedeutung: „Ich grüße dich!“.

Was soll jemand mit dem Gruß machen? Lida könne zwar zurückgrüßen, allerdings darf sie erwarten, dass Nico effizient genug ist, sein Anliegen sofort mitzuteilen. Was will er denn? Gehen wir davon aus, er habe ein… nennen wir es… „privates“ Interesse an der blonden Bloggerin. Reicht ein simples „Hallo“ aus, um sein Ansinnen ausreichend kundzutun? Wohl kaum.

„Hallo“ funktioniert als Einstieg in einen Flirt sehr gut, sofern das Gegenüber aufgrund der mitschwingenden Signale auch erkennen kann(!), dass es ein Flirtversuch ist. (Sonst eben nicht.)

 

„Hallo“ als schüchterner Versucht, ein Gespräch zu beginnen

Eine Interaktion beginnt außerhalb der digitalen Welt mit einem Blick. Dieser gibt beiden (Vielleicht-)Gesprächspartnern die Chance zu entscheiden, ob man miteinander sprechen möchte oder nicht. Online ist das schwieriger. Es bleibt nur der Text. Leider ist vielen Usern die Einsicht nicht vergönnt, dass purer Text etwas effizientes ist. Reine, logische Information. Nicht mehr. Nicht minder. Auf unterschiedliche Personen hat er verschiedene Wirkung. Im Grunde ist er emotionsbefreit.

Das Problem: Da ein Text, selbst ein Wort, völlig emotionslos ist, muss in einer Nachricht so viel Information enthalten sein, dass der Leser daraus eine Nachricht dekodieren kann. Aus „Hallo“ geht nicht mehr hervor als „Zum Gruße!“. Man kann zwar interpretieren, dass der Sender einen Gesprächswunsch haben könne. Doch muss man das wissen? Muss man darauf eingehen? – Nein. In beiden Fällen.

Gleichsam sollte man wissen, dass der ein oder andere User gar nicht weiß, wie er seinen Gesprächswunsch in Textform fassen kann. Der Tipp ist simpel: Entweder, man macht sich genau das klar und geht auf ein einzelnes „Hallo!“ mit „Hallo! Was kann ich für dich tun?“ ein oder man ignoriert den Gruß, weil er kontextuell völlig losgelöst im Raum steht.

Ferner, und das ist nur eine Idee, habe ich ab und an das Gefühl, dass ein einzelnes „Hallo“ das Maximum dessen ist, was der ein oder andere überhaupt schreiben/sagen kann. Leider lässt sich Schüchternheit nicht erlesen. Auch hierfür bedarf es eines non-verbalen Kontextes.

 

Die wahrscheinlichste Version: „Hallo“ als: „Ich checke mal meine Chancen.“

Ich unterstelle einigen Männern eine Art Jagdtrieb. Sie schreiben beispielsweise auf Instagram Frauen an und sind bereits bei der Kontaktaufnahme hochgradig effizient: Sie minimieren den zu produzierenden Content auf eine nicht-formelle Grußformel wie „Hallo“ und warten. Nein. Sie warten nicht. Sie lauern! Ist das Weibchen bereit, sich das Profil des Jägers anzuschauen, versucht der charismatische Adonis mit vorbereiteten Selfies zu überzeugen. Im Anschluss folgt im besten Fall ein „Hey!“ der Angeschriebenen mit angehängtem Smily (vorzugsweise jenem, der verschüchtert schaut und rote Wangen aufweist).

Antwortet die Frau, oder, wie sie von unserem Instagram-Halbgott bezeichnet wird, „die Trophäe“, nicht innerhalb von 30 Minuten (oder gar nicht), folgt nicht selten eine beleidigende Nachricht á la „Bist du arrogant oder was!?“ Das dient eher dem Selbstschutz des Herren. – Allerdings schweifen wir ab. Bleiben wir beim Thema.

Ich meine, dass es sich in manchen Fällen nur um eine effiziente Version der Kontaktaufnahme handelt. Daher auch der fehlende Kontext.

So, liebe Lida, ich hoffe, deine Frage ist damit beantwortet. Solltest du mehr wissen wollen, gib mir gern Bescheid.

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