Leserfrage: „Wie geht gendern?“

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Die Debatte ist nicht neu, (nicht) unterhaltsam und vor allem nicht geklärt. Es wird immer wieder gefragt, ob und wie man nun gendern soll oder nicht. Daher möchte ich mich einer Leserfrage annehmen und Lösungsvorschläge aufzeigen. Hierbei geht es auch nicht um die Klärung eines gesellschaftlichen Diskurses, sondern ausschließlich um Möglichkeiten der textlichen Einbindung.

 

Einheitlich gendern

Sollte jemand noch nicht wissen, was mit „gendern“ gemeint ist: Das Verb bezeichnet die Nennung gleichermaßen männlicher wie weiblicher Formen von Adressatgruppen.

Beispiele:

  • Liebe Leserinnen, liebe Leser (…)
  • An alle Studentinnen und Studenten (…)

Meines Wissens gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine einheitliche Form. Derzeit sind folgende Varianten des Genderns vorstellbar:

  • getrennte Nennung: liebe Leser, liebe Leserinnen
  • kombinierter Plural mit Schrägstrich: liebe Leser/-innen
  • kombinierter Plural mit stilistischer Großschreibung: liebe LeserInnen
  • Nutzung der „gender gap“: liebe Professor_innen

Alle vier Optionen sind möglich und korrekt. Wer sich innerhalb eines Textes für eine Form entscheidet, sollte auch dabei bleiben. Einheitlichkeit ist Trumpf. (Ergänzung vom 08.05.2018: Inzwischen liegt wohl ein Buch mit dem Titel “Richtig gendern” vor. Erschienen ist es im Dudenverlag.)


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Neutrale Wort(neu)schöpfungen

Obgleich möglich, bilden alle vier genannten Varianten ein Problem heraus: Solange es um Anreden und Anschreiben geht, kann man beide Geschlechter wunderbar herausarbeiten, ohne den Lesefluss zu unterbrechen. Innerhalb eines Textes, in dem keine Pluralversion eines Wortes vorkommt, müssen neben dem Substantiv auch die Artikel angepasst werden, was, wie ich meine, seltsam aussieht.

Beispiele:

  • „Es wird darum gebeten, dass jeder Lehrer/ jede Lehrerin…“
  • „Dem/der Kunden/-in ist es gestattet…“

Ich schlage daher vor, sofern es möglich ist, Alternativen zu bilden, die Geschlechter gleichermaßen in einem Wort einzubinden. Dazu kann man einerseits neutrale Begriffe herausbilden oder Umschreibungen finden.

Beispiele:

  • Lehrer/-innen → Lehrende
  • Erzieher/-innen → pädagogische Fachkräfte
  • Leser/-innen → Lesende

 

Grammatische Formen

Das grammatische Problem des Genderns kommt vornehmlich dann auf, wenn es um Plurale geht. Die oben angesprochene Debatte orientiert sich am Ansatz, dass in einem Plural theoretisch beide Geschlechter integriert sind. Eine Aussage Prof. Dr. Horst Simons unterstreicht zudem, dass das “implizite Meinen” nicht ausreicht: “(…) eine Reihe von Studien [haben] den Beweis erbracht, dass Menschen im Experiment sich keineswegs auch Frauen vorstellen, wenn von „fünf Professoren“ die Rede ist, sondern dass sie eben nur – oder in erster Linie – Männer konzeptualisieren.”

Was ist also nun mit dem generischen Maskulinum?

Laut einer Untersuchung von Lisa Irmen und Vera Steiger sind selbst generische Maskulina (männliche Wörter, die sowohl männliche wie weibliche Adressaten ansprechen), die semantisch „eigentlich“ neutral sind, vornehmlich auf Männer ausgerichtet. Will heißen: Generische Wörter sind nicht durchweg die Lösung.

 

Schlusswort

Natürlich darf jede/r entscheiden, ob sie/er gendert. Das Gendern ist eine sprachliche Entwicklung, die einen kulturellen Diskurs aufnimmt und umsetzt. Aus der Perspektive der Linguistik ist sie somit ein (möglicher) logischer Schritt.

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